Das Sektabenteuer

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Im Jahr 1982 begann für unser Weingut Klaus Herres-Wener ein besonderes Abenteuer. Kurz nach Übernahme des väterlichen Betriebes entschloss sich Klaus Herres, etwas ganz Neues auszuprobieren und es nicht nur bei der Weinherstellung zu belassen.

In diesem Jahr lagen in unseren Kellern hundert ganz besondere Flaschen, wuchtiger und dicker als alle anderen. In ihnen steckte die ganz große Hoffnung des Jungwinzers: Sekt aus moselländischem Riesling.

Etikett Laurentius Sekt

Obwohl man seine Idee als Spinnerei abtat, ließ sich Klaus Herres zu Anfang nicht entmutigen und sammelte gebrauchte Champagner-Flaschen. Neue Flaschen konnte er nicht kaufen, denn die Lieferung erfolgte von den Glashütten nur palettenweise. Nach sorgfältiger Reinigung füllte er die Flaschen mit seinem jungen Riesling und mischte diesem die Dosage zu, so wie er es im Keller eines Champagne-Winzers gesehen hatte. Die Mixtur stellte er selbst aus zwei Flaschen Riesling Spätlese mit einigen Löffeln Zucker und ein paar Prisen Reinzuchthefe her.
Da kein genaues Rezept vorhanden war, nahm er dabei reichlich von der Reinzuchthefe, um zu verhindern, dass die zweite Gärung eventuell nicht in Gang kommen würde. Während die mit Kronkorken verschlossenen Flaschen nun im Keller auf ihre schäumende Zukunft warteten, stahl sich Klaus Herres mehrmals täglich in den Keller und spitzte in Erwartung der ersten Gärgeräusche die Ohren, so auch am Tag des Kirchweihfestes, ehe er mit seiner Frau zum Tanz ging
.

Als er vom Kirchweihfest mit seiner Frau Gisela zu später Stunde nach Hause kam, stand seine Mutter bereits händeringend an der Haustür. Im Keller war der Teufel los! Sie hörten ein ständiges Knallen und Scheppern, weder Vater noch Mutter trauten sich in den Keller hinein.
Die zweite Gärung hatte begonnen, allerdings viel zu heftig. Immer wieder zerplatzte eine weitere Flasche. Hilflos musste Klaus Herres zusehen und zuckte bei jedem Knall zusammen. Portionsweise verpufften jeweils 0,75 Liter Flaschen. Seine Sektträume tröpfelten auf den Kellerboden. Er und seine Frau meinen heute, dass sie die Verzweiflung zum Beten brachte – genau weiß das keiner mehr. Letztendlich schien der Namenspatron der Parzelle, aus der der ungebärdige Wein stammte, der heilige Sankt Laurentius, ein gütiges Einsehen zu haben – jede dritte Flasche überstand die Gärung unbeschadet.

DegorgieranlageDer Schreck des Kirchweihfestes stand der Familie noch in den Knochen, als es ans Abrütteln ging. Von seiner Mutter inständig gewarnt, suchte Klaus Herres sich die entsprechende Arbeitskleidung zusammen. Ausgerüstet mit wattiertem Skianorak, Motorrad-Helm auf dem Kopf, die Hände durch dicke Handschuhe geschützt, begann er im Keller zaghaft zu rütteln – jeden Tag, zwanzig Tage lang, so wie es ihm ein Champagne-Winzer beigebracht hatte: Rütteln und die Flasche dabei stets ein wenig um ihre Achse drehen und etwas steiler ins Rüttelpult zurückstellen. Von ihm lernte er auch die trickreiche Handbewegung, mit der man beim Degorgieren verhindert, dass mehr als ein Spritzer Schaumwein mit dem Hefepropfen herausgeschleudert wird.

 
Degorgieren und verkorkenSo blieb nach dem Enthefen noch das Problem der Verkorkung. Wie wichtig es ist, eine Spezialmaschine zum Einsetzen der Schaumweinkorken zu haben, kann jeder ermessen, der einen Sektpropfen betrachtet. Der Rohkorken, der aus einem Zylinder besteht, hat einen Durchmesser, wie ihn später nur noch der obere Wulst des herausgezogenen Verschlusses aufweist. Um dem Druck innerhalb der Flasche  (6 bar) standzuhalten, wird der Korken zusätzlich durch einen Drahtbügel (Agraffe) gesichert. Auf einem Flohmarkt in der Champagne-Partnergemeinde, auf dem die Winzer vor allem ausrangierte Gerätschaften zur Champagnerherstellung feilboten, fand er neben den ersten Rüttelpulten auch ein geeignetes Gerät zur Verkorkung. Jahrelang blieb er ein guter Flohmarktkunde und brachte immer mehr Jungwinzer-Kollegen von der Mosel mit nach Le Mesnil-sur-Oger.


Nach dem Abrütteln, Degorgieren und Verkorken waren von den anfänglichen hundert ganze zwanzig Flaschen Leiwener Riesling-Sekt als Ergebnis dieses ersten Schaumwein-Abenteuers übrig geblieben. Etiketten waren für diesen Bestand weiß Gott nicht nötig. Der Markenname stand für den jungen Erzeuger jedoch schon fest: 

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